Laserschwert und Lichterketten

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Pezi’s Story

 

Als Einstieg in die heutige Geschichte möchte ich Euch gerne dieses wundervolle Video schenken. Ihr dürft es auch beizeiten gegen mich verwenden. Vielleicht fragt ihr Euch jetzt „Wie kommt’s, dass Pezi mit diesem kleinen Asiaten, dem alle Haare genau mit 90° vom Kopf abstehen, den All Time Favorite „Wonderful Life“ performt.“ Oder ihr kennt mich ein wenig besser, und fragt Euch gar nichts mehr, weil ihr wisst, dass bei mir ein Bier reicht, damit ich mich für Mariah Carry halte.
Aber der eigentliche Star dieses Acts ist natürlich Ukulelen-Kenny mit der scharfen Frise. Zitat Belinda: „Das Geilste an dem Typ ist, dass er gar nicht weiß, wie awesome er is! Der is einfach so awesome!“ Spoiler-Alarm: Ich bin mir ziemlich sicher, dass er das sehr wohl weiß … Aber später mehr zu Kenny, wir starten besser am Anfang:

Die ganze Woche bin ich schon ziemlich genervt und nervös, denn ich weiß genau zwei Dinge über das Event, das mich am Freitag erwartet: Es geht über mehrere Tage und kostet nichts. Und wenn wir eins in der Zeit unseres Blogs gelernt haben, dann dass die Sachen die nichts kosten die Schlimmsten sind, da beißt die Maus keinen Faden ab. Und dann auch noch über Nacht! Ich packe also meinen Schlafanzug und meine Zahnbürste ein und mache mich auf ein sehr ungemütliches Wochenende gefasst. Eine Übernachtung im Spukschloss? Eine bizarre Ayahuasca-Zeremonie? Wir fahren in die Berge und beobachten nachtaktive Tiere bei der Paarung? Aber irgendwann, als wir am Marienplatz noch einen Glühwein zur Stärkung einnehmen, wird mir klar, dass wir München gar nicht verlassen werden. Und als mir dieses Licht aufgeht, liegt auch auf der Hand, was wir stattdessen machen werden …
Im Gegensatz zu mir, ist Belinda neuerdings voll scharf auf Events die englischen Neologismen als Namen tragen, auf Networking, auf Small Talk mit irgendwelchen Wichtigtuern und den ganzen Zinnober.
Also, big suprise, wir nehmen an einem Hackaton teil! Mit den nachtaktiven Tieren lag ich also gar nicht so falsch… Mir ist auch klar, warum Belinda das ausgesucht hat. Weil sie das schon immer machen will, sich alleine nicht traut und ich niemals freiwillig mitgekommen wäre. Miese Nummer, ganz miese Nummer!

Für alle die nicht wissen was ein Hackaton ist: Ein paar Coder werden mit ein paar sog. Hipstern (also alle anderen, die nicht programmieren können) über Nacht in einen Raum gesperrt und zusammen werden Hard- oder Software-Lösungen zu vorher definierten Problemstellungen erarbeitet. In unserem Fall: 💖Finding love and staying in love 💖. Nach ca. 24 Stunden werden alle Ergebnisse präsentiert und der Sieger gekürt.

Semimotiviert laufen wir in der Location ein. Es sieht genauso aus, wie es in einer hippen Startup-Agentur auszusehen hat. Offene Büros, Post-Its an den Wänden, bunte Retro-Kühlschränke voller Bier, Tischtennisplatte. Das Interessante ist aber die Mischung des Publikums: Vollblut-Hipster, die ihre sockenlose Füße in  für dieses Wetter unangebrachte  Schnürschühchen gesteckt haben reihen sich nahtlos an schlecht frisierte Computer-Nerds, die fast ausnahmslos T-Shirts mit lustigen Sprüchen tragen und schon vor Beginn der Veranstaltung eifrig in ihre Läppis tippen.


Bei der Anmeldung werden alle Teilnehmer in Hipster und Coder unterteilt und mit farbigen Armbändchen markiert! Ich muss mich als widerwillig als Hipster etikettieren lassen, da meine Coding-Leidenschaft schon in der 8. Klasse ein jähes Ende genommen hat, als unser damaliger Mathe-Lehrer die Turbo Pascal(!!)-Stunde mit „Für alle Mädchen unter Euch, das vor Euch ist die Tastatur!“ eröffnete. Naja eigentlich hatte er einen Sprachfehler und sagte: „Dad id die Dadadur!“.

Ich schweife ab! Weiter im Text.

Was in der nächsten Stunde passiert ist äußerst spannend. Normalerweise, wenn ich in eine neue Gruppe Menschen komme, fühle ich mich vom Coolness-Lever eher so im oberen Mittelfeld. Doch heute soll sich das Blatt wenden! Diese bleichgesichtigen Coder-Geeks mit ihren sperrigen, stickerbeklebten Laptops sind mit Abstand die coolsten, entspanntesten und witzigsten Leute im Raum. Sie fühlen sich sichtlich wohl in ihrem natürlichen Lebensraum! Und ich, … ich fühle mich in ihrer Gesellschaft wie eine einfältige Vollnulpe. Meine Stimme ist plötzlich zwei Oktaven höher so dass ich das small talken irgendwann resigniert aufgebe. Die übrigen Hipster werden auch immer leiser, denn hier ist niemand, der sich durch ihr Gelaber über die beste Kaffeerösterei der Stadt oder den neuen Popup-Store in Sendling beeindrucken lässt.

Als die Arbeits-Gruppen für die nächsten 24 Stunden gebildet werden, bleibt mir also nur die Flucht nach vorne! Ich schließe mich todesmutig den größten Wierdos an, die ich finden kann. Zwei Typen mit Laserschwert. Einer trägt ein Shirt mit der Aufschrift „Clean Code, Dirty Mind“.

Nach ein paar Small Talks und Bestaunung zahlreicher weiterer Leuchtobjekte steht unser Team fest:

  • die 2 Weirdos mit dem Laserschwert
  • eine Nulpe ohne Peil (ich)
  • ein eher scheuer aber sehr geistreich aussehender Typ mit Pferdeschwanz. Kein Man Bun! Ein ganz normler Pferdeschwanz. Daumen hoch! 👍
  • ein rotbäckiger Junge, der mich im Laufe des Hackatons mehrmals, mehr oder weniger freiwillig, als Schlampe beschimpfen wird.
  • eine Asiatin, die in den nächsten 24 Stunden kein Wort sprechen wird
  • ein Asiate, der eigentlich Arzt ist und mir auf der Aftershow-Party erzählt, er bekäme bei OPs immer Hunger, denn er esse so gerne Innereien. Und am schlimmsten wäre es, wenn sie so ein heißes Skalpell benutzen, dann rieche es wie beim BBQ.
  • ein Asiate, der gerne feurigen Tango tanzt und nur gebrochen Deutsch spricht. Was ihm auch die Partnersuche bei Tanzveranstaltungen erschwert.
  • Kenny, auch Asiate. Er ist der He-Man der Gruppe. Meistens abwesend, taucht dann aber in der größeten Not auf um alles zu retten.
  • Belinda, die sich im letzten Moment dazugemogelt hat, da sie erkannt hat, dass ich mir die coolste Truppe rausgesucht habe 🙂

Was genau wir in den nächsten Stunden erarbeiten spielt eigentlich gar keine Rolle. Diese Zeitspanne ist für mich sowieso ein großes Durcheinander von blinkenden Lichtern, Scooter-Songs, YouTube-Videos von Hunden die ekelerregende Sachen machen, Online-Kurse im Outdoor-Yoga, Burritos, Dirty Dancing, süßen Katzen-Bildern und viel Nerd-Talk von dem ich kein Wort verstehe. Zum Beispiel: „Ich hab den Reverse zu weit gepuscht.“, „Den würd ich ins githup Blasen wenn ich die Passwörter hab!“ oder „Internet!!!!!“. Die Frage, was ich lieber mag, Java oder C++ beantworte ich wahrheitsgemäß mit „Netflix.“ Ab und zu legt sich jemand unter den Tisch und pennt. Mitten zwischen unseren Laptops steht ein Kasten Augustiner, der mit LEDs verziert und zum Server umgebaut ist. Belinda und ich werden ab und zu gedisst, weil wir „so überkandidelte Macbooks“ dabei haben. Mein Tischnachbar rülpst ab und an, was mich aber nicht stört, es schafft eine familiäre Atmosphäre.
Bells und ich bauen App-Mock-ups und Logos am laufenden Band. Alle im Team sind von unseren Grafik-Skills beeindruckt, die unter normalen Umständen keinen Designer hinterm Ofen vorgelockt hätten. Aber sei’s drum!
Zum Schluss muss ich auch noch – in einer unsere Präsentationen – mein schauspielerisches Können unter Beweis stellen und darf sogar mit dem Laserschwert auf die Bühne, was für einige Lacher im Publikum sorgt. Läuft.

Und da ich mir sicher bin, dass Bells in ihrer Geschichte erwähnt, dass wir mit unseren zwei Ideen „Flirty Dancing“ und „Harmony Help“ den ersten und dritten Platz belegt haben, spar ich mir das jetzt.

Als die meisten Hackies nach der Bekanntgabe der Gewinner das Weite suchen und sich vermutlich in ihr Bett verkriechen, schlägt für Belinda und mich die große Stunde. Es gibt Alkohol! 🍾 Und wenn es ums Feiern geht, kann uns so schnell niemand etwas vormachen. Endlich sind wir in unserem Element! Und schon geht’s los: Belinda schafft es, sich in die Musikanlage „einzuhacken“ und legt einen Knallersong nach dem anderen auf. Zuerst zapple ich noch ganz allein über die Tanzfläche aber nach und nach stoßen alle aus unserem Team dazu. Kenny ist ganz begeistert von den blinkenden „Flirty Dancing“- Armbändern, die er in der letzten Nacht 3D-gedruckt hat und fuchtelt technomäßig mit den Händen in der Luft herum. Eigentlich sind sie dazu gedacht, passende Tanzpartner schneller ausfindig zu machen. Kurz überlege ich, Kenny zu schnappen und einen Tango anzustimmen, traue mich dann aber doch nicht. Er ist eher einer von der Einsamen-Wolf-Sorte, ich will ihn nicht verschrecken. Irgendwann drehen uns die Veranstalter den Saft ab. Belinda versucht, sich am DJ-Pult festzukrallen, wird aber überwältigt. In etwa so >>


Als ich mich nach und nach – mit einem leichten Surri im Kopf – von unseren Team-Mitgliedern verabschieden muss, wird mir bewusst, wie sehr ich diese Menschen in der kurzen Zeit wertschätzen gelernt habe. Und das abseits von allen Vorurteilen und gesellschaftlichen Schubladen. Wir sind fast wie eine kleine Familie. Eine asiatisch geprägte Familie.

Und wenn ich mir heute die Frage stelle, ob ich nochmal an einem Hackaton teilnehmen würde, muss ich sagen, ja, auf jeden Fall. Aber nicht, weil mich die Herausforderung reizt, das eine gute Gelegenheit zum networken ist oder ich scharf darauf bin, Einblick ins Programmieren zu bekommen. Der einzige Grund sind diese schrägen, intelligenten und äußerst liebenswerten Menschen, die ich im normalen Leben, völlig zu Unrecht, als uninteressante Langweiler abgestempelt hätte. In diesem Sinne: MORE LOVE, LESS POP-UP-STORES.

Mehr von den Laserboys & Kenny gibts unter: www.munichmakerlab.de

Belinda’s Story

Ok, ich sag es gleich vorweg: diese Story kann nicht mit kuschelbedürftigen alten Herren, nicht mit esoterischen Katzentanten und auch nicht mit strengen Pfarrern mithalten. Aber davon abgesehen habe ich unschuldige Menschen mit Bier bespuckt, erste Lichtschwert-Erfahrungen gemacht, Guacamole aus einem 10 Liter Eimer gelöffelt und heftig darüber gestritten, über was man sich am besten streitet. Letzteres kommt nämlich ganz drauf an ob man „Hacker“ oder „Pschorr“, äh „Hipster“ ist! Und da sind wir auch schon beim Thema. Ich überreiche Pezi den Briefumschlag mit der letzten Challenge für 2017:

 

Wenn ihr euch wundert, warum Pezi sichtlich genervt ist: Es steht noch eine Challenge aus, die so schlimm ist, dass wir sie bis heute nicht gemacht haben und Pezis Vertrauen in meine Challenge-Wahl sehr erschüttert hat. (Zugegeben: die Kuschelparty Anfang des Jahres war ein einschneidendes Erlebnis und hat uns lange Zeit aus der Bahn geworfen) Aber diese hier ist eine andere und nach Ende der Videoaufnahme gibt sie auch zu, dass sie gar nicht so schlimm ist. Kleine Drama Queen!

Pezi und ich laufen also in ein sehr hippes Office ein. Etwas unsicher melden wir uns am Empfang. Zwei Minuten später sind wir umgeben von Leuten, die merkwürdige Shirts mit Sprüchen wie „Clean Code –Dirty Mind“, „HackerStolz“ oder „München – Weltstadt mit Nerds“ tragen. Wo sind wir hier rein geraten? Nach dem offiziellen Start des Hackathons geht es ziemlich schnell ans Eingemachte und alle 60 Teilnehmer werden aufgefordert, ihre mitgebrachten Ideen vorzustellen. Zwei Jungs findet Pezi auf Anhieb sympathisch. Ihr mitgebrachtes Problem: Alle schauen immer nur auf ihr Handy, dadurch entgehen den Menschen ganz viele Blickkontakte und damit Chancen für die Liebe! Dafür braucht es eine Lösung! Ich fühl mich ertappt und lass unauffällig mein Handy verschwinden. Pezi hasst meine Handy-Affinität.

Schneller als wir schauen können, sollen wir uns für eine der vorgestellten Problemstellungen entscheiden. Pezi und ich sehen uns aufgeregt nach passenden Teams um. Die Handy-Jungs stellen sich als überragende Tüftler raus. Sie haben einen kleinen, blinkenden Stand aufgebaut mit Bergen an Kabeln und Unmengen an technischem Spielzeug. Assoziationen blitzen mir durchs Hirn: MacGyver, Matrix, Terminator 2 oder wie dieser Hacker-Film heißt… Die meiste Zeit ziehen sich die Kerle gegenseitig auf mit Ausdrücken wie „Pommesfriedhof, du!“ oder „Der Dicke“. Aber das Beste ist zweifelsohne: Das LASERSCHWERT! Damit kann man unter Hackern und Hipstern nun wirklich jeden bestechen. Wie Fliegen vom Licht hypnotisiert, tummeln wir uns um die Jungs (wobei wir nicht mal die Hälfte verstehen) und lauschen den surrenden Geräuschen des Laserschwerts. Wir spüren die Macht in diesen Leuten und unsere Entscheidung ist gefallen: das ist unser Team. Neben uns fühlen sich natürlich auch noch andere zu diesen zwei beherzten Jungs hingezogen. Letztendlich sind wir ein Team aus einem Dutzend Leuten und es kommen noch zwei neue Problemstellungen hinzu: Wie schafft man es, in der Disco das Eis zu brechen, damit die Menschen noch mehr schwofen und schäkern? Und Nummer drei: Wie schafft man es, Pärchen beim Streiten zu helfen?

Wir legen los und verkrümeln uns in einen stylischen Working-Space. Alle fangen sofort an zu werkeln und sich an unsere Aufgabe zu machen. Nach 10 Minuten ist der Tisch voll mit Laptops, Kabeln, Steckdosenleisten, in Bierkästen eingebauten Servern, blinkenden LED-Lichterketten, Chips und noch mehr Zeug, das ich nicht genau betiteln kann. Das hat bestimmt Ähnlichkeit mit einer Terrorzelle, denke ich nervös. Wenn jetzt die Polizei zur Tür rein kommt… „Es ist nicht das, wonach es aussieht!“ klingt in den meisten Fällen nicht sehr überzeugend. Der Große Bildschirm in der Wand wird angeschlossen und es laufen Musikvideos von DJ BoBo und eine wirklich gute Auswahl an epischen Songs! Das hätte ich den Jungs gar nicht zugetraut! Irgendwie geht es drunter und drüber und Pezi und ich kapieren noch nicht so ganz, wie das jetzt ablaufen soll. Bei der Namensfindung kann Pezi aber schon mal punkten: „Flirty Dancing“. Das Team ist begeistert. Now I’ve had the time of my life! Pezi flüstert mir mit erhobenen Zeigefinger zu: „Ich bin end schlau!“ Mir hingegen fällt nichts derart „schlaues“ ein. Oder doch, ich beschließe Bier zu holen! Wenn das mal nicht end schlau ist…

 

Als ich wieder komme, ist da plötzlich ein Typ namens Kenny. Der gehört wohl auch noch zum Team, keine Ahnung wo sie den auf einmal hergezaubert haben. Ein Asiate mit faszinierenden Haaren! Sie stehen wie elektrifiziert ab… Du liebe Zeit, schon 0 Uhr! Höchste Zeit fürs Bett! Manches erledigt sich vielleicht im Schlaf… Aber ich schlafe schlecht und träume von irgendwelchen Präsentationen. Zu einem Alptraum würde nur fehlen, dass ich präsentieren muss…

Am nächsten Tag, back in location, merken wir: Einige haben die Nacht hier verbracht. Es riecht ein bisschen… Wir müssen aufpassen, dass wir auf niemanden drauf steigen. Einer schläft grad noch unter dem Tisch und schnarcht sanft wie ein CPU-Lüfter. Der Asiate hängt über dem Sitzsack und schläft ganz friedlich. Dass ihn der Lärmpegel (es läuft schon wieder der tanzende Schweizer Bäcker in voller Dröhnung) nicht aus dem Schlaf reißt, muss wohl daran liegen, dass er auch Chirurg ist und weiß: Wer müde ist, kann immer schlafen, egal wo und wie!

Der Tag vergeht wie im Flug und gegen Nachmittag rückt die Deadline immer näher. Das Stresslevel steigt enorm: Der erste unlösbare Bug im über Nacht geschriebenen Code unserer Software, welche die Stimme der streitenden Paare analysieren soll!! Die Coder stehen vor einem Rätsel und das Projekt gerät ins Wanken. Nur die Handy-Jungs lassen sich von der Alarmstufe Rot nicht beirren und spielen auf dem Bildschirm die ganze Zeit schräges Zeug ab. Irgendwann switchen sie von saukomischen „Ups-die-Pannenshow-ähnlichen“ Videos auf Yoga-Tutorials. Soll das die Crew beruhigen? Was ist mit dem guten alten Alkohol?

Einatmen, Ausatmen …

Ich klinke mich gedanklich immer mal wieder aus und beobachte einfach nur die absurde Situation, in die wir da geraten sind. Es ist Samstag Nachmittag und wir sitzen gefühlt seit gestern in diesem chaotischen Raum in einem Gebäude inmitten der Kaufingerstraße. Im Hintergrund ertönt die wohltuende Stimme der Yogalehrerin: „Atmen Sie tief ein“. Durch die Scheiben kann man das Treiben unten auf der Straße beobachten. Die Coder reden die ganze Zeit wirres Zeug: “Wir müssen den Code nicht submitten“ – „Debuggen!“ – Ein anderer Typ ruft in unseren Raum: „Wieviel Spannung ist denn auf deinem Lichtschwert drauf?“ Pezi schreit: „Aber die Kinder bleiben hier!“ Einer der Hacker ist aufgebracht: „Jeder sollte als erste Sprache Python lernen, nicht Java!“ Fehlt nur noch, dass jemand schreit: „Scheiße, sie kommen!“ und sich alle unter den Tischen verschanzen, während die Tür aufgebrochen wird und Tränengasgranaten rein fliegen! Ich schaue zu viel fern…

Eine halbe Stunde später basteln Pezi und ich wie wild an den Präsentationen. Unsere Design-Skills stellen sich als äußerst nützlich raus. Die Jungs sind zufrieden. Wir stehen mittlerweile sehr unter Druck, denn in einer Stunde ist „Codefreeze“. Dann platzt Kenny in unseren Workspace und präsentiert die Prototypen, die er über Nacht gebaut und aus dem 3D-Drucker rausgelassen hat. Alle sind erleichtert, dass wir doch noch was Handfestes vorzeigen können. Kenny is the best!

Kenny aka black swan

Ich hab mega den Respekt vor den Codern und Hackern und merke schnell, dass sie die eigentlichen Heros in dieser Welt sind!

Aber dann: CODEFREEEEEEEZE!
Es folgen die Präsentationen von allen Teilnehmern vor der Jury. Short Story long: Wir haben mit den zwei Ideen den ersten und dritten Platz gemacht. Das Team ist mega happy und die Handy-Jungs gestehen, dass sie uns ab sofort bitte bei jedem Hackathon dabei haben möchten. Wegen unserer Schön-mach-Skills (…aber auch weil wir coole Menschen sind!). Das schmeichelt uns so sehr, dass wir im Gegenzug gestehen, nur wegen des FAMEs und unseres Blogs hier zu sein! Das klingt zwar unspektakulär, ist aber voll der Ritterschlag! Haben wir nämlich noch nie gemacht. Wir waren aber so positiv über die ends coolen, abgedrehten und schlauen Hacker & Coder überrascht und fühlen uns in diesem Moment sehr verbunden. Aber zurück zur Show: Wir sind inzwischen total aufgedreht, denn nun kommt unser Part der Veranstaltung: Im Party machen sind wir Profis! Ich bin so gelöst nach dem ganzen Stress, dass ich mit vollen Mund laut loslache und überall Bier versprühe. An dieser Stelle nochmal sorry an den Pferdeschwanz-Typen aus unserem Team! Aber es gibt ja auch Shampoo mit Hopfen. Also halb so wild, oder? Und wie es immer so ist, wenn ich auf Partys bin, dauert es nicht lange und ich stehe am Musik-Laptop, verwandelt in mein zweites Ich: Spotify-DJ-Woman! Pezi schwingt mit Kenny das Tanzbein. Sonst aber leider niemand. Ich versuche, noch mehr Menschen mit den blinkenden Armbändern zu animieren. HYPER HYPER! Wer da nicht tanzen will, sollte mal seinen Puls fühlen, oder?

Am Ende des Abends, in der 404 Bar, schlafe ich fast im Stehen ein. Ich denke an die noch ausstehende Challenge und mir wird schon wieder bang!