Liebe & Leichenstarre

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Pezi’s Story

Okay. Kurz durchatmen. Ich werde bei dieser Geschichte nichts ausschmücken, nichts übertreiben, keine Details künstlich aufblasen. Ich werde ausschließlich reine Fakten präsentieren. Und ich werde mich bemühen, eine absolut neutrale Berichterstattung der Geschehnisse zu verfassen. Denn diese Geschichte braucht keine Deko. Es genügt vollkommen, den Wahnsinn in den Belinda und ich da hineingeraten sind wiederzugeben. Let‘s go:

Freitagabend. Belinda weigert sich partout, mir zu verraten wo’s heute hingeht. Sie meint, wenn sie’s mir sagt, nehme ich reißaus. Vom Feeling her habe ich ein ganz schlechtes Gefühl. „Pezi du darfst nicht vergessen, wir sind immer noch freie Menschen. Niemand wird zu irgendwas gezwungen!“ Sie liest mir einen Einstimmungs-Text vor: Wir alle möchten gesehen, gehört, wahrgenommen werden. Wir möchten berühren und berührt werden… Sanft und achtsam wirst Du in einen Raum des SEINS geführt, wo Du Dich wahrnimmst und ganz bei Dir ankommen kannst. Von diesem Platz aus ist es möglich, heilsame, wohltuende, berührende und herzliche Begegnungen zu Erleben!“ Ich flippe aus!! Wirklich, ich verliere kurz die Beherrschung. Ich dachte nicht, dass Belinda diesen Move bringt und mich zu einer verfluchten Kuschelparty schleppt!! Das hätte ich ihr wirklich nicht zugetraut. Belinda meint, ob ich lieber wieder gehen will. Wir könnten schließlich auch ein schönes Bier trinken gehen. Aber das ist nicht mein Style man! Ich bin irre drauf! Ich will das auf jeden Fall durchziehen. Wooohooo.

Naja, wir lugen erst mal verschämt durchs Fenster. Es ist so schlimm wie erwartet. Der Boden ist mit Matratzen ausgelegt, alles in Orangetönen 🙁  an der Wand hängt eine Lichterkette und aus den Lautsprechern ertönt leise Pianomusik in Endlosschleife. Erst mal Schuhe aus. Ich trage gottseidank endstylische Socken mit einem Mäuse-Gesicht drauf. Nach und nach treffen die ersten Kuschler ein. Und, as usual: Wir beide sind natürlich mit Abstand die Jüngsten. Mit Abstand. Als ich sehe, wie sich zwei, die sich eben erst begrüßt hatten, auf die Matratzen schmeißen und sofort innig ineinander verschlungen sind, verzieht sich mein Gesicht zu einer panischen Fratze. Wir sind beide total überfordert, wissen nicht, was wir mit uns anfangen sollen und legen uns deshalb schon mal auf die Matratzen. Wie zwei Ölsardinen, leichenstarr. Obwohl wir zugedeckt sind, habe ich am ganzen Körper Gänsehaut. Belinda lacht die ganze Zeit hysterisch und stopft sich ununterbrochen Kaugummi in den Mund, während ich jedes mal wenn jemand an uns vorübergeht zusammenzucke, vor Angst derjenige könnte sich womöglich an uns rankuscheln wollen. Wäääh … Ich weigere mich, meinen dicken Wollschal abzulegen. Er wird mich beschützen.

Sardinen

Nach einer Stunde(!) Ankomm-Zeit geht es endlich offiziell los. Wir tanzen erst mal zu einem indianischen Musikstück. Danach gehen wir im Raum umher, und begrüßen jeden einzelnen. Aber ohne Worte! Nur mit den Augen und einer, „uns angemessen erscheinenden“ Berührung. Mir scheint hier ganz und gar nichts angemessen. Ich werde umarmt, bekomme die Wange gestreichelt, die Schulter beklopft und viele bedeutungsschwangere Blicke. Ich flüstere immer leise „hallo“, was ja eigentlich verboten ist, aber ich weiß nicht, was ich sonst machen soll. Es fällt mir schon schwer, meinem Gegenüber bedeutungsvoll in die Augen zu schauen.
Dann stellen wir uns alle im Raum auf, schließen die Augen und richten unseren inneren Kompass aus??? Ich dreh mich sicherheitshalber zu Belinda. Danach sollen wir uns irgendwie bewegen … Die mir endlos erscheinenden Minuten überbrücke ich mit Dehnübungen, weil ich wieder nicht weiß, was ich sonst machen soll. Es folgt ein Rücken-an-Rücken-Tanz zu James Blunt’s Schmuse-Klassiker „You’re beautiful“. Wir sollen unserem Tanzpartner mit unseren Bewegungen zu verstehen geben, was wir in diesem Moment brauchen und möchten. Ich wackle einfach saublöd mit dem Hintern hin und her und werfe ab und zu meine Hände in die Luft. Meine Tanz-Partnerin tut es mir gleich. Glaub ich zumindest.

Es folgt Part II der Veranstaltung. Wir setzen uns im Kreis auf die Matratzen. Es geht ein alberner Stoffhase rum und jeder muss sagen, wie er sich im Moment fühlt. Ich antworte nicht ganz wahrheitsgemäß, denn eigentlich möchte ich am liebsten aufspringen, den scheiß Hasen durch den Raum schleudern und brüllen wie verrückt und durchgeknallt das alles ist, sage aber nur, dass ich etwas nervös wäre, mich aber auf die neue Erfahrung freuen würde. Hahahahah, genau! 🙁
Jetzt müssen wir in Dreiergruppen zusammen kommen und uns gegenseitig massieren. Holger, der Kuschel-Leiter nennt das „Berührungsangebote machen“. Natürlich klammern sich Belinda und ich aneinander und holen uns eine dritte Frau dazu, die uns am machbarsten erscheint. Mitte vierzig, recht hübsch. Mir ist schleierhaft, was die hier zu Suchen hat. Aber sie denkt sich wahrscheinlich das gleiche … Wir kneten uns gegenseitig den Rücken, die Hände, den Nacken, die Füße usw., das kappt noch ganz gut … Holger sagt, wir sollen unseren ganzen Körper einsetzten, nicht nur die Hände. Ich beschränke mich daraufhin auf die Ellbogen, was anderes kommt nicht in Frage. Bei einem Blick in die Runde wird mir aber klar, was da alles noch so geht, huiuiui … Die hübsche Frau fragt mich, ob ich mal professionell massiert hätte, was mich freut 🙂 Nein, hab ich nicht. Wieder eine Stunde rum.
In der Pause, in der Snacks und Tee gereicht werden, quatsche ich ein bisschen mit den anderen Teilnehmern. Hilft ja nix. Ich finde aber nirgends richtig Anschluss, darum futtere ich unfassbar viele Schoko-Crossies. Aus Panik. Unauffällig rieche ich an meinem Shirt, ob alles im grünen Bereich ist …  Belinda schiebt sich ein Stück Käse nach dem anderen rein, kann aber nichts trinken, weil ihre Blase verrückt spielt, wenn sie nervös ist. Ein riesiger Typ mit Schnauzer, der sich in den ersten Stunden als sehr enthusiastischer Kuschel-Fan geoutet hat (er trägt ein Shirt mit der Aufschrift: kuscheln-ist-okay.de), versucht mich zu überreden das nächste mal gleich wiederzukommen. Schließlich hätte ich ja jetzt eine 10er Karte. Das stimmt sogar! Die bekommt man beim Einlass automatisch, ob man will oder nicht!

Die letzte Stunde bricht an. Und da wir uns von Runde zu Runde im Kuscheln steigern, steigert sich auch mein Unwohlsein. Mein Magen ist ein einziger Klumpen. Vielleicht liegts auch an den verdammten Schoko-Crossies …  Holger kündigt an, dass wir jetzt den „Glückshaufen“ bauen. Einigen anderen Teilnehmern entfährt ein vorfreudiger Seufzer. Wir sitzen wieder im Kreis und schließen die Augen. „Denkt an ein Tier, das ihr jetzt in diesem Moment in Euch spürt. Eine verschmuste Katze vielleicht, oder eine geschmeidige Schlange, oder ein treuer Hund?“ Nun sollen wir uns, in der Form wie sich auch unser inneres Tier fortbewegt, aufeinander zubewegen. Ich bin absolut hilflos, spüre kein inneres Tier und bleibe einfach am Rand sitzen, während sich die Kuschel-Profis in die Mitte schlängeln oder krabbeln.

Tiere

Ich bin so ohnmächtig, dass ich nicht mal über das absurde Bild lachen kann, dass sich da gerade vor mir abspielt. Das träum ich doch man! Ich halte Ausschau nach Belinda, ich möchte zwar auch nicht unbedingt mit ihr kuscheln, aber in Anbetracht der Situation ist sie meine beste Option. Wir legen uns an den Rand des Glückshaufens. Mein Kopf ruht auf Belindas Schulter. Ein Pärchen kommt und legt sich quer neben mich, ihre Köpfe auf meinem Bein. Von oben kommt eine Hand und streichelt mein Ohr. Eine andere grabbelt an meinen Füßen. Ich fühle mich, als hätte ich am ganzen Körper einen fiesen Ausschlag. Als ich sehe, wie ein älterer Herr sich an Belinda löffelt, kann ich mich nicht mehr zusammenreißen und ich muss laut loslachen, was gar nicht gut ankommt. Fast fallen die Köpfe von meinem Bein. Nur durch einen beherzten Biss auf die Zunge kann ich mich kurz beruhigen. Alle anderen sind völlig selig und schmusen was das Zeug hält.
Holger weist alle an, sich noch mal woanders zu positionieren, damit man nicht immer mit den selben Leuten kuschelt. Ich bleibe einfach so liegen wie ich bin. Belinda auch. Wir harren stoisch der Dinge, die da kommen. Was kommt, ist ein Typ mit Glatze am Hinterkopf. Wir liegen in einer Löffel-Polonaise. Ich in der Mitte. Das fühlt sich ganz und gar nicht richtig an. Eher so als hätten wir einen suuuuperabstrusen Dreier hinter uns müssten jetzt noch höflichkeitshalber Zeit totschlagen. Ich bewege mich so wenig wie möglich und versuche mich weit weg zu denken. Irgendjemand massiert wieder meine Füße. Die Angelegenheit wird immer undurchsichtiger.
Aber das Schrägste kommt in dritter und letzter Kuschelrunde. Wir befreien uns aus der Polonaise. Eine alte, dicke Frau nimmt sich uns „verlorenen Schäfchen“ an. Sie legt sich auf den Rücken in unsere Mitte, je eine von uns in einem Arm. Sie streichelt unsere Köpfe, während wir unsere Arme um ihren dicken Bauch geschlungen haben, auf dem sich eine Art Insulin-Pumpe befindet. Ihre riesigen Brüste fallen zur Seite und sie gibt immer wieder schnurrende Laute der Glückseligkeit von sich. Sie erinnert mich an die Schamanin aus dem Simpsons-Film. Das ist mit Abstand die strangeste Situation in der ich mich je wiedergefunden habe. Mit Abstand!! Sowas geht doch nicht man!!! Ich muss immer wieder leise kichern, weil ich mir vorstelle, was für ein geiles Bild wir drei abgeben müssen. Trotzdem haben Belinda und ich das Bedüfnis, dieser Frau auch etwas zurückzugeben.  Wir sind mittlerweile weichgekocht. Wir freuen uns, als sie sich am Ende bedankt und betont, wie schön sie es mit uns gefunden hätte. Sie wäre nun „gesättigt“. WTF …

Leute, noch nie hab ich ein Bier in einer asseligen Boazen so gefeiert, wie das Bier nach diesem Abend. Macht das nicht nach. Ich leide immer noch unter den Nachwirkungen. Kein Witz.

AlteFrau

Belinda’s Story

Ich habe wirklich alles versucht, um am „Tag danach“ wieder klarzukommen. Ich war neue Klamotten kaufen, hab Berge von Wäsche gewaschen, Hörbuch gehört und war abends mit Freunden unterwegs, bis 6 Uhr in der früh! Mein Plan war, das Erlebte vom Freitag mit neuen Eindrücken und Alkohol zu überlagern. Umsonst. Aber immerhin: eine lange Nacht steht nun zwischen den „Geschehnissen“ vom Freitagabend und dem obligatorischen Sonntags-Kater-Netflixen. Diesmal hab ich es wirklich übertrieben bei der Wahl der Challenge…

Pezi rastet kurzzeitig aus: „Ich wusste es. (Pause) Oh man ich habs gewusst. Ich habs gewusst – ich bring dich um, ich bring dich um!“ Sie tut mir echt leid und ich muss die ganze Zeit nur hysterisch lachen. Ich würde diesen Moment gerne genießen, aber ich muss ja selbst auch mitmachen. Sofort schäme ich mich. War vielleicht doch keine gute Idee. Ich möchte schon zurückrudern und sage sowas bescheuertes wie: „Wir sind immer noch freie Menschen, wir können jeder Zeit gehen.“ Aus Angst, dass Pezi abhauen könnte, hab ich ihr erst direkt vorm Eingang erzählt, was sie erwartet. Aber Pezi atmet nur einmal tief aus und geht durch die Tür nach drinnen. Die Entscheidung ist gefallen.

Ich klammere mich an den letzten rettenden Strohhalm und möchte auch, dass Pezi sich wieder wohler fühlt. „Entschuldigung, wer ist denn hier der Veranstalter? Wir sind uns noch unsicher und wollten fragen wie der Abend so abläuft.“ gebe ich zu. „Es wird ganz harmlos und einfach nur schön“ erklärt eine Frau und lächelt auf beunruhigend beruhigende Weise. Wenig später liegen Pezi und ich unter einer Decke, in einem Raum voller Matten und schummriger Lichterketten. Wie Streichhölzer in einer Schachtel liegen wir nebeneinander und warten ergeben darauf,  was mit uns passiert. Ein paar weitere Teilnehmer sind auch schon da und geben fragwürdige Geräusche von sich. Ich bin leicht hysterisch und muss mich voll zusammenreißen um nicht in einen emotional erleichternden Lachanfall auszubrechen. Pezi geht es genauso. Zwei Männer löffeln nur wenige Meter neben uns. Ein Mann und eine Frau, eng umschlungen, kichern wie Teenager und atmen etwas zu geräuschvoll.

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Der Raum füllt sich und der Abend nimmt seinen Lauf. Es ist eine bunt aufgestellte Gemeinschaft, bestehend aus älteren Herrschaften und Mittvierziger-Frauen, man kann aber nicht behaupten, dass sie in verschiedenen Stadien der Verzweiflung sind – nein, sie sind alle überherzlich und glücklich. Nicht sehr überraschend, dass wir die jüngsten sind. Ich meine aber, die meisten freuen sich über „Frischfleisch“. Scheint eine eingeschworene Gemeinschaft zu sein. Es geht los mit ein paar Lockerungsübungen. Ein bisschen wie beim Yoga. Esoterische Musik wird gespielt und es gibt ein paar Begrüßungsrituale. „So, jetzt sucht sich jeder einen Partner für einen Rückentanz“ ertönt die Stimme des Leiters. Zu James Blunt tanze ich nun Rücken an Rücken mit einer fremden Frau. Das Lied dauert 3:20 min!!!

Nach dieser ersten Phase von Begegnungen finden wir uns in einem Sitzkreis wieder. Ein Kuscheltier wird reihum gereicht. Jeder darf was sagen. Ein Herr so: „Ich bin schon total im Kuschelfieber!“ Die Truppe wirkt sehr aufgekratzt und alle sind voller Vorfreude! Bis auf eine, die sich wohl einen Virus eingefangen hat und nicht sicher ist, ob sie eine Gefahr für die anderen ist und ob sie überhaupt mit kuscheln darf. Sie meint, es würde ihrem Immunsystem gut tun. Manche Leute scheinen nett zu sein, andere wiederum möchte ich eigentlich nicht ankuscheln (die Frau mit dem Virus). Der Moderator erklärt ein paar Regeln und dass es das Wichtigste sei „absichtslos“ zu kuscheln. Also wenn hier jemand absichtslos ist, dann sind das wohl wir.

Wir starten in dreier Teams und massieren uns gegenseitig. Wir haben eine gut aussehende Mittvierzigerin bei uns und Pezi findet sie sähe sehr „geistreich“ aus. Das sagt sie immer, wenn sie einen Menschen extrem attraktiv findet. Wir massieren uns gegenseitig unsere Füße, Rücken, Hände und Mrs. Geistreich massiert sich an meinen Oberschenkeln entlang. Ganz schön weit nach oben! Nach dieser „Übung“ gehts in eine kleine Pause.

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The Kuschelparty must go on

In einer Mini Küche tummelt sich die ganze Truppe. Es ist verdammt eng, ich esse Käse und Schokoküsse abwechselnd. Nach der Pause können sich einige vor Vorfreude kaum mehr einkriegen. Das Highlight des Abends kommt: „Nun fühlt einmal in euch hinein und wählt ein Tier, dass euch entspricht. Ist es ein Adler, der den Überblick hat, oder ein einsamer Wolf, oder eine verschmuste Katze?“ Mir wird ganz flau im Magen. Was für ein Tier ich bin? Keine Ahnung! Die anderen Teilnehmer haben sich offensichtlich längst alle für sexy Kätzchen entschieden und sind schon auf dem Weg in die Mitte, kichernd und schnurrend. Wie Maden stürzen sie sich auf den Speck. Ich krabbele einfach hinterher wie ein tollpatschiger Käfer. Pezi weicht nicht von meiner Seite, sie weiß schon, dass jetzt der „Glückshaufen“ auf dem Programm steht und beschließt, sich wie ein siamesischer Zwilling an mich zu heften. „Belinda, du bist heute Abend meine beste Option“. „Same Same“ denk ich und klammer mich an Pezi. Der Plan geht nicht auf. Ein älterer Herr legt sich in eine kleine Nische, mit Gesicht zu mir. „Ja, nicht so schlimm, komm sei aufgeschlossen“ ermahne ich mich. Er streichelt meine Hand. Mein Herz bleibt stehen. In regelmäßigen Abständen kommt von Pezi ein panischer Griff nach meinen Unterarm. Ich habe keine Ahnung, wer wie mit ihr „in Verbindung“ ist. Ihre verkrampfte Haltung lässt nichts Guten ahnen. So liegen wir da im „Glückshaufen“. Immer wieder fangen ein paar Leute an, albern zu kichern. Viele sind völlig entspannt und geben sich ihren Kuschelpartnern mit Zärtlichkeiten hin. Einer pupst. Der Moderator erklärt, es gebe stille Kuschler und aktivere Kuschler. Beides sei ok. Der ältere Herr, eindeutig ein aktiver Kuschler, geht mir nun doch zu weit und ich lege ein Veto ein. Er ist gekränkt. Eine unbekannte Hand streichelt meine Haare und Ohren. Mein Bauch ist ein einziger Knoten.

Nach einige Zeit werden Kuschelpartner getauscht. Pezi und ich bewegen uns nicht vom Fleck. Wir sind von unseren Hemmungen gelähmt. Ein etwas „jüngerer“ Kerl fängt an, mit uns zu löffeln (also erst ich, dann Pezi, dann der Kerl), ich glaube, zu ihm gehörte die unbekannte Hand. Seinen Arm legt er über uns beide und ergreift dann meine Hand. Er gehört auch zu der Sorte der aktiveren Kuschler und spielt mit meiner Hand. Von absichtslos kann hier keine Rede sein, auch wenn es „nur“ die Hand ist. Zugegeben: Es ist aber irgendwie total spannend!

Am Ende der Kuschelparty liegen Pezi und ich in den Armen einer älteren Lady mit großen, weichen Brüsten. Aber wie! Wie zwei Babys an den Brüsten einer Mutter. Die Frau atmet geräuschvoll aus und sie wirkt nun sehr entspannt. Ich muss sagen, ich fühle mich in diesen Armen keineswegs unwohl. Aber ich hätte nicht gedacht, dass ich jemals in meinem Leben in den Armen einer wildfremden Omi liege und mir links, und Pezi rechts, eine Brust ins Gesicht gedrückt wird. Das verrückte ist: das ist total ok! Die Omi braucht Liebe? Wir geben ihr Liebe. Pezi streichelt ab und zu meinen Arm. Wie soll ich das jetzt deuten?!

Anschließend sind wir wieder im Sitzkreis. Wir sind total verwirrt und auch erleichtert, dass es endlich vorbei ist. Kuschelhormone wurden bei uns, glaube ich, nicht direkt ausgeschüttet. Im Gegensatz zu den anderen Challenges kann man nach dieser nicht sagen: „War ja halb so wild“. Es war zeitweise absolut absurd und seltsam. Aber die Omi war mega happy und bedankte sich mit den Worten: „Ich bin total gesättigt!“ Das macht mich irgendwie dann auch wieder glücklich, dass wir ihr das „geben“ konnten.

Pezi durchlitt  die Tage darauf verschiedene Stadien von Euphorie, Krankheit und Lethargie: Direkt danach war sie außerordentlich stolz, so tough gewesen zu sein. „Wir sind echt krass“, sagt sie ein gutes dutzend Mal. Drei Tage später hat sie einen Virus (ich schwöre wir haben uns von der Dame mit dem Virus fern gehalten!) und gestern meinte sie, sie wäre nun endgültig gebrochen. Wir werden sehen…

Macht euch selbst ein Bild einer Kuschelparty:
http://www1.wdr.de/fernsehen/quarks/beruehrung-kuscheln-100.html

Die nächsten Kuschel-Termine könnt ihr hier nachlesen:
http://www.kuschel-abend.de

Komfortzone Kuschelparty uncomfort me

 

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